Monsanto, Saatgut, Weizen, GMO, gentechnisch veränderte Lebensmittel, genetisch modifizierte Organismen

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Biopiraterie im Garten Eden

20.05.2008, 20:41:54 - [Anjas Meckerecke] - Anja Kolwicz
Lizenz: Artikelart: Satire-Artikel

Monsanto in Babylon

“Habt ihr das Erdöl unter Kontrolle, so habt ihr ganze Staaten unter Kontrolle- Mit dem Ernährungssystem habt ihr die Völker unter Kontrolle”, sagte Henry Kissinger.
Dieser Satz wurde zum Programm unter der Besatzung im Irak. Die tausendjährige irakische Landwirtschaft wird von den multinationalen Landwirtschafts- und Nahrungsmittelkonzernen zerstört.

Vor mehr als zehntausend Jahren wurde im Herzen Mesopotamiens die Landwirtschaft erfunden und ein raffiniertes Bewässerungssystem entwickelt. Das außerordentlich furchtbare Schwemmland zwischen Euphrat und Tigris bietet ideale Bedingungen für den Getreideanbau. Hier wurde in der Antike der wilde Weizen entdeckt. Hier kultivierte man fast alle heute bekannten Weizensorten (mehr als 200.000). Dattelpalmen, die andere Lebensquelle des Landes, boten den vielfältigen Gemüsepflanzen Schutz.

Die Samen der Demokratie

Seit der Invasion im Jahr 2003, wurde der Irak nicht nur seines archäologischen Erbguts und seiner Ölreserven, sondern auch seiner politischen und seiner Ernährungs-Souveränität beraut.
Der provisorische Verwalter, hat dutzende gesetzesbrecherische Anordnungen herausgegeben, noch bevor eine Marionettenregierung von Washington eingesetzt wurde, obwohl in der irakischen Verfassung und in den Konventionen von Den Haag und Genf festgelegt ist, dass die Besatzungsmacht die Gesetzgebung des besetzten Landes respektieren muss.
Die Anordnung 81 von 26. April 2004 lieferte das Land den riesigen Konzernen wie Monsanto aus, die den Saatgutwelthandel kontrollieren. Afghanistan ist 2002 dasselbe Schicksal widerfahren.

Biopiraterie im garten Eden

Diese Anordnung verpflichtet die irakischen Bauern, jedes Jahr eine Lizenz sowie gentechnisch veränderte Samen bei den amerikanischen Saatgutmultis zu kaufen, obwohl der Irak jegliche Privatisierung von biologischen Ressourcen gesetzlich verboten hat. Das wichtigste Reglement dieses Gesetzes für den “Schutz der Pflanzensorten” befasst sich nicht mit Biodiversität sondern schütze die kommerziellen Interessen der grenzüberschreitenden Saatguthersteller. Um qualifiziert zu werden, müssen die Pflanzen “neu, gekennzeichnet, gleichförmig und stabil” sein. Solche Kriterien können irakische Pflanzen nicht erfüllen.
Diese ausländischen Firmen besitzen jetzt während zwanzig Jahren ein Recht auf das Monopol von Erzeugung, Vermehrung, Handel (Im- und Export) und Lagerung aller gentechnisch veränderter Samen und “ähnlicher” Pflanzensorten. Monsanto hat einen regelrechten Raubüberfall auf das Saatgut im Irak gemacht, um es gentechnisch zu verändern und patentieren zu lassen. So müssen die Bauern des Iraks heute dafür bezahlen, um das Getreide anbauen zu dürfen, das sie vorher seit Jahrtausenden ausgesät hatten.

Die irakischen Bauern: Geiseln der Saatgutriesen

Durch diese Anordnung ist die uralte Tradition der Landwirtschaft, das beste Getreide als Saatgut für das nächste Jahr zu selektieren, gesetzwidrig geworden. (Laut F.A.O haben im Jahr 2002 noch 97 Prozent der irakischen Bauern ihr eigenes Saatgut verwendet oder es auf dem Dorfmarkt gekauft). Durch Kreuzungen erhielten sie Mischsorten, die an das raue Klima der Region angepasst waren.

Heute müssen die Bauern mit hohen Geldstrafen und sogar Gefängnis rechnen, wenn sie selbst produziertes Saatgut verwenden oder auf ihrem Feld nicht registrierte Sorten gefunden werden. Außerdem werden in so einem Fall ihre Ernten, ihre Arbeitsgeräte und ihre Infrastruktur zerstört.
Der Nahrungsmittel-Terrorismus, der von den Multis wie Monsanto in den Ländern, die sie kontrollieren praktiziert wird, hat bereits tausende Bauern in den Selbstmord getrieben. Sie werden durch den jährlichen Kauf von gentechnisch verändertem Saatgut und den damit einher gehenden äußerst giftigen Unkraut- und Insektenvernichtungsmitteln völlig ruiniert.
Das Land ist bereits durch die permanenten Bombardierungen mit Uranmunition seit 1991 zu einer riesigen Atommüllhalde geworden. Auch das 13 Jahre anhaltende Embargo führte so nach und nach zur Zerstörung der irakischen Landwirtschaft. Die Bewässerungssysteme, landwirtschaftliches Material nud etliche Dattelpalmen wurden vernichtet. Zwischen 1990 (Beginn der Sanktionen) und 2003 sank die Getreideproduktion auf die Hälfte.

Totale Kontrolle der Ernährungskette

Die irakischen Bauern mussten nicht nur die Greueltaten der Besatzer über sich ergehen lassen, inzwischen wurden sie sogar zu ihren Sklaven gemacht - verdammt dazu, künstliche Pflanzen herzustellen, von denen die Hälfte für den Export bestimmt ist und ein weiterer Teil für die Besatzungstruppen: So müssen sie Weizensorten anbauen, die sich für die Nudelproduktion eignen; ein dem irakischen Volk völlig fremdes Lebensmittel. Einzig Monsanto und Konsorten profitieren davon.
Währenddessen leidet die irakische Bevölkerung unter Hunger.
Die Chimären, die durch diese Technologien entstehen, stellen eine nicht zu unterschätzende Gefahr sowohl für die Umwelt, die Gesundheit als auch in wirtschaftlicher und ethischer Hinsicht dar. Durch sie entsteht eine genauso umkehrbare Umweltverschmutzung wie durch angereichertes Uran. Sie können übrigens auch gut für biologische und bakteriologische lautlose Kriegsführung verwendet werden (1).
Die genetisch modifizierten Organismen (GMOs) sind zu einer der wichtigsten Waffen der Anstifter der neuen Weltordnung geworden, um, eins nach dem anderen die Völker des ganzen Erdballs zu unterjochen. Der Irak ist zum Laboratorium dieses Herrschaftsinstruments geworden und die Irakerinnen und Iraker zu dessen Versuchskaninchen.

(Quelle: Archipel, Zeitung des Europäischen Bürgerforums, Mai 2008; Autor: Joelle Pénochet)
(1) Siehe Artikel von Mae Wang Ho und Joe Cumming, Institut für Gesellschaftswissenschaften (ISIS)


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