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10.06.2008, 00:11:49 - [Gesellschaft] - Lukas Brausch Lizenz: 
An was denken Sie wenn Sie den Namen „Afrika“ lesen? Krieg, Zerstörung, Unterentwicklung, Armut, Hunger? Wenn ja, dann befinden Sie sich in bester Gesellschaft mit anderen Zeitgenossen, denen es ähnlich geht. Auch für sie war Afrika jahrzehntelang lediglich ein chaotischer und undemokratischer weißer Fleck auf der Landkarte. Doch in jüngster Zeit zeigt der Kontinent, dass er auch andere Seiten vorzuweisen hat.
Ein durchschnittliches Wachstum von mehr als 5 Prozent des BIPs seit dem Beginn des neuen Jahrtausends in Afrika lassen erstmals in dessen Geschichte internationale Investoren auf den bisher so dunklen Kontinent blicken. Der zeigt sich vor Allem von der aktuellen Entwicklung des US-amerikanischen Immobilienmarktes vollkommen unbeeindruckt. Während die Spekulanten in den USA und Europa mit den hohen Einbrüchen der Immobilienpreise zu kämpfen hatten, zeigte sich der afrikanische Markt hiervon weitgehend » unbeeindruckt. Hinzu kommt des Weiteren, dass der Kontinent in vielen Bereichen enorm viel aufzuholen hat. So ist zum Beispiel mittlerweile der afrikanische Handy-Markt der am schnellsten wachsende auf der » ganzen Welt. Firmen wie Celtel, Vodacom oder MTC haben momentan so starke Wachstumsraten vorzuweisen, dass sogar europäische oder asiatische Firmen, wie die Deutsche Telekom oder „China Telecom“ interessiert gen Süden blicken.
Bei allem Optimismus für die wirtschaftliche Entwicklung der Entwicklungsländer ist jedoch auch zu bedenken, dass besonders sie von den aktuellen Preissteigerungen im Bereich der Nahrungsmittel betroffen sind. Oberste Priorität für die meisten demokratisch legitimierten Regierungen des Kontinents ist es also die Ernährung der eigenen Bevölkerung vollkommen sichern zu können. Hierzu soll die so genannte „grüne Revolution“ wie einst in den » Tigerstaaten Asiens zu schnellen Erfolgen führen. Doch die Umsetzung der hoch gesteckten Ziele ließ bislang noch weitestgehend auf sich warten obwohl bereits mit „» NERICA“ eine, eigens für den afrikanischen Markt entwickelte, Reissorte bereit steht und von Seiten der Industriestaaten auf eine rasche Modernisierung der afrikanischen Landwirtschaft gepocht wird. Hiermit könnte auch der flächendeckende Einsatz gentechnisch manipulierter Nutzpflanzen einher gehen. Sollte dem so sein erhoffen sich europäische und amerikanische Biotechnologie-Firmen große Gewinne aus dem Einsatz dieser Pflanzen.
Betrachtet man die momentanen Entwicklungen der Preise von Erdöl weltweit, so könnten diese für einige Staaten des schwarzen Kontinents sogar zum entscheidenden Wachstumsfaktor werden. Nigeria zum Beispiel ist momentan der zweitgrößte Erdölexporteur weltweit und auch vor den Küsten von Ghana und Angola wurde bereits das schwarze Gold gesichtet. Nach der Erschließung der bereits bekannten Erdölfelder bleibt es abzuwarten ob von der Förderung auch die Bevölkerung oder, wie im Falle Nigerias, lediglich die regierenden Clans profitieren können. Fest steht zumindest, dass Afrika der rohstoffreichste Kontinent der Erde ist und in jüngster Vergangenheit durch Erfolgsgeschichten aus Botswana, Südafrika und Tansania auch beweisen konnte, dass dieser Vorteil auch zum Wohle der eigenen Bevölkerung in bare Münze verwandelt werden kann. Voraussetzung hierfür ist, dass die Rohstoffe im Land selbst durch geschultes Personal weiterverarbeitet werden und nicht zunächst ins Ausland transportiert werden.
Wohin die Reise für den Kontinent, dem bereits seit Jahrhunderten der Ruf nach Abenteuer, Wildnis und romantischen Mythen nachhängt, letztlich führen mag steht noch lange nicht fest. Doch nach einigen turbulenten Jahrzehnten nach der frisch erkämpften Unabhängigkeit konnten bereits einige Staaten zeigen, dass sie durchaus in der Lage sind sich selbst zu regieren. Ob das Konzept der uneingeschränkten Adoption des „westlichen“ Lebensstils ohne Rücksicht auf kulturelle Eigenheiten jedoch Erfolg hat, wird nun die Zukunft zeigen müssen.
Autor: Lukas Brausch
Quelle: Wikipedia, Teltarif.de, Allafrica.com
Weiterführende Links zum Thema
» Analysen der afrikanischen Wirtschaft (englisch)
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