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World of Warcraft – Sucht nach dem Spiel

06.03.2007, 18:32:56 - [Gesellschaft] - Lukas Brausch
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Die zunächst ein wenig polemisch wirkende Überschrift macht es deutlich: Im Bewusstsein vieler Menschen wird der Computer heute oft als Mittel zur Suchtbefriedigung assoziiert.
Gehört oder gelesen hat wohl jeder schon einmal von Menschen, die ganze Nächte damit verbringen mit virtuellen Kontakten zu kommunizieren, Phädophilen, die in einem Chatroom für Kinder nur darauf warten anstößige Bemerkungen zu hinterlassen oder massenweise unbeantwortete E Mails, die den Empfänger nötigen zu antworten und ihn somit in den nervlichen Ruin treiben.
Doch all diese Probleme, die mit der „Generation @“ einhergehen scheinen verschwindend gering angesichts eines relativ neuen Phänomens; der Sucht nach einem virtuellen Spiel.

WoW („» World of Warcraft“) ist ein im Februar 2005 in Europa erschienenes MMORPG („» Massively Multiplayer Online Role-Playing Game“), das dem Spieler, wie bei einem Rollenspiel üblich, einen Charakter zuweist, welchen dieser dann mithilfe von Erfahrungspunkten und besserer Ausrüstung („items“) zu einem virtuellen Helden machen kann.
Die Standard-Version des Spiels beinhaltet 60 Level, die es von dem Spieler zu meistern gilt. Zunächst mag dies keinen hohen Suchtfaktor bergen, da davon ausgegangen wird, dass das Spiel nach Erreichen dieser Marke zu Ende ist, doch ist gerade das danach einsetzende PvP(„Player versus Player“) System für viele Spieler ein Anreiz weitere items zu sammeln und den Charakter weiter nach höherem streben zu lassen.
Schenkt man diversen » Berichten im Internet glauben, so befinden sich unter den mehr als 8 Millionen Spielern weltweit bereits etliche Tausend, die von diesem Spiel derart begeistert sind, dass das eigene Leben nach eben jenem gerichtet und gestaltet wird.
So sagen viele Spieler, die von sich selbst glauben süchtig zu sein, dass WoW nach und nach vor allen anderen Interessen oder Hobbies bewertet und diesen demnach auch nicht mehr nachgegangen wird.
Da viele Spieler bei Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen zu finden sind, fällt die Sucht oft mit der Ausbildung zusammen, was zum Beispiel zum Schwänzen der Schule oder nicht bestandenen Klausuren auf der Universität führen kann.
Gerade deswegen ist es für die Betroffenen wichtig professionelle Hilfe zu suchen, wenn die Sucht einmal bei sich selbst erkannt wurde.
Unbehandelt kann exzessives Spielen zu Realitätsflucht, Abkapslung von sozialen Interaktionen und Leistungseinbruch führen, was jedoch in den meisten Fällen lediglich von Außenstehenden negativ beurteilt wird.
So ist etwa in einem Internet Forum von einer verzweifelten Mutter zu lesen: „Wir als Eltern haben es nicht geschafft, ihn da raus zu holen. Er muss jetzt seinen Weg gehen und er wird irgendwann erkennen müssen, dass ihm das Spiel sein Leben nicht zurückgibt.“
Der Betroffene selbst ist oft derart stark von WoW eingenommen, dass die eigene Stimmung und Zufriedenheit mit dem Leben daran gemessen wird, wie viel Erfolg virtuell erlangt werden konnte.
Dass auch abseits des Bildschirms Aufgaben bereitstehen und Probleme gelöst werden wollen ist dann nicht mehr wichtig und wird oft verdrängt.
Wer es jedoch trotz dieser Bedenken wagen möchte ein MMORPG, wie WoW zu spielen, sollte sich darüber im Klaren sein, dass nicht nur monatliche Kosten von bis zu 13,50 Euro, sondern auch immense zeitliche Investitionen zu erwarten sind.
Nicht von Ungefähr kommt es also, dass dieses noch recht junge Phänomen auch in den Medien bereits kontrovers diskutiert und neue Maßnahmen gefordert werden, die nicht nur aufklären, sondern auch Möglichkeiten der Hilfe für Betroffene schaffen sollen.


Autor: Lukas Brausch
Quellen: Printmedien, mmorpg-research


Weiterführende Links zum Thema


» Diplomarbeit und Auswertung einer Umfrage zum Thema


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