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Klimaschutz – Reine Bürgersache?

10.02.2007, 12:42:34 - [Umwelt] - Anja Kolwicz
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Klimaschutz – Reine Bürgersache?

Dass Klimaschutz eines der wichtigsten Projekte ist, welche die Menschheit je unternommen hat ist mittlerweile wohl jedem bekannt, auch dem größten Ignoranten. Ständig werden die Bürger aufgerufen den drohenden Klimawandel abzuwenden indem sie endlich beginnen ein „umweltfreundliches“ Leben zu führen. Jeder Bürger sollte sich ein neues Auto kaufen, dass weniger Treibstoff verbraucht, oder besser ganz auf das Auto zu verzichten und auf die öffentlichen (und somit weniger umweltbelastenden) Verkehrsmittel zurückzugreifen.

Sicherlich sind dies korrekte Argumente die in vielen Fällen Gültigkeit haben, doch längst nicht in allen, denn hier wird aufgrund einer Katastrophe, die von der Industrie verursacht wird, dem Bürger teilweise Lebensqualität beschnitten.

Das mag auf den ersten Blick kurzsichtig erscheinen, doch schaut man sich an, was die wahren Probleme sind, so stellt man schnell fest, dass der Bürger hier stets vorgeschoben wird um die wirkliche Verantwortung von denen abzulenken, die sie wirklich tragen, nämlich die Industrie und die produzierenden Gewerbe.

Nach wie vor ist die Automobilindustrie nicht bereit, Autos zu bauen, die weniger Benzin verbrauchen. Warum sie dies nicht tun, liegt auf der Hand:

1) Nach wie vor gibt es Menschen, die Autos brauchen, die 300 PS und mehr haben und diese brauchen nun mal sehr viel Treibstoff, da die Automobilindustrie auf ihren Patenten sitzt und sie nicht einsetzen will, solange sie am Öl indirekt verdient.

2) Die Ölindustrie hat einen großen Einfluss auf die Automobilindustrie. Für die Ölindustrie ist es natürlich von großem Interesse, dass Autos gebaut werden, die viel Treibstoff verbrauchen.

Es ist jedoch gar nicht nötig, dass die Automobilindustrie sparsamere Autos baut. Denn auch sparsamere Autos lösen das Problem nicht. Auch sie stoßen Co2 aus. Und wenn ein Auto weniger verbraucht, steigt auch die Bereitschaft, mehr zu fahren, auch mal schnell zur Bäckerei um die Ecke, denn das Auto verbraucht ja nur 3 Liter. Das ist natürlich eine Milchmädchenrechnung, denn der CO2-Ausstoß steigt durch das Verhalten der Autobesitzer recht schnell wieder an.

Die einzige vernünftige (und gangbare) Lösung ist die Umstellung der Treibstoffe selber.
Der Umstieg auf Treibstoffe, die CO2-neutral sind und aus regenerativem Anbau stammen, wäre der einzige Weg, den kommenden Klimawandel für unsere Kinder und Enkel nicht noch schlimmer zu machen.

Doch gerade auf diesem Sektor geschieht nach wie vor wenig bis gar nichts. Die Deutsche Automobilindustrie schafft es nicht einmal, den in Japan schon lange probate Hybridantrieb zu etablieren. Angeblich besteht kein Interesse. Der Hybridantrieb wäre jedoch auch nur ein Zwischenschritt, jedoch in die richtige Richtung.

Dass die Umstellung auf CO2-neutrale Treibstoffe ein leicht gangbarer Weg ist, zeigt Brasilien seit vielen Jahren. Dort allerdings auf Kosten der Umwelt und des Regenwaldes und somit kein gutes Beispiel. Schweden jedoch ist in Europa Vorreiter in Sachen CO2-neutrale Treibstoffe. Dort fahren viele Kraftfahrzeuge mit einer Ethanol-Benzin-Mischung, dem sogenannten » E85. Eine Mischung aus 85% Ethanol und 15% Benzin. Reines Ethanol schädigt die derzeitigen Motoren und wird daher nicht eingesetzt. Immerhin eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes um 85%.

Allerdings benötigt ein normales Kfz einen Umbau um mit E85 fahren zu können, der preislich zwischen 300 und 1000 Euro liegt, je nach Anzahl der Zylinder.

Jedoch ist die Automobilindustrie nach wie vor nicht bereit, Motoren zu bauen, die von Beginn an mit E85 oder gar reinem Ethanol fahren können. Andererseits zeigt natürlich auch die Ölindustrie, welche die Tankstellenketten dominiert, wenig bis gar kein Interesse einen Markt für Ethanol zu eröffnen. In Deutschland sind seit 2005 gerade einmal etwa 60 Tankstellen (Stand Januar 2007) entstanden. Wesentlich zu wenig um einen Bedarf zu wecken. Im „ökologischen Vorreiterland“ Österreich gibt es sogar nur ganze 3 Tankstellen (Stand Januar 2007), die E85 anbieten.

Ethanol kann komplett durch Landwirtschaftliche Produktion hergestellt werden und ist somit CO2-neutral in der Herstellung, wenn die dafür benötigten Maschinen mit Biodiesel fahren, welcher ebenfalls CO2-neutral ist.

Eine weitere Alternative wäre die Umstellung auf Biogas, was jedoch nicht ganz unumstritten ist, denn Biogas besteht hauptsächlich aus Methan, welches weitaus klimaschädlicher als CO2 ist und bei Unfällen direkt in die Atmosphäre gelangt und dort großen Schaden anrichten würde.

Die ganze Produktionskette kann allerdings nur dann funktionieren, wenn eine Umstellung der Strukturen erfolgt. Das Bewusstsein des Bürgers ist längst soweit ausgereift, dass etwa 70% aller Bundesbürger (Laut einer FORSA-Umfrage) CO2-neutrale Treibstoffe fahren würden, auch wenn diese teurer wären als herkömmliche fossile Treibstoffe.

Die Industrie, die komplett „Ölmulti-dominiert“ ist, ist nach wie vor nicht bereit diesen leicht gangbaren Weg einzuschlagen, da dies Gewinneinbußen bedeuten würde und solange in den oberen Etagen dieser Firmen Menschen sitzen, denen Geld über alles geht, wird es auch hier keinen oder nur einen sehr schleichenden Wandel geben.

Argumente, die besagen, dass ein Ausstieg vom Erdöl ganze Industrien zerstören würde und Millionen von Menschen arbeitslos machen würden sind als haltlos anzusehen, denn es wäre nicht sehr schwierig die komplette Industrie auf regenerative Treibstoffe umzustellen. Sicherlich wären hohe Milliardenbeträge notwendig um die Industrie zu subventionieren, damit keine Primärschäden an der Wirtschaft entstehen, doch hier wäre die Regierung gefordert, dies zu unterstützen.

Als Paradebeispiel kann hier Österreich herhalten:

Österreich ist das Land der Landwirte und vor allem Forstwirte. Das Land hat gewaltige Ressourcen in diesem Bereich und könnte durch diese Ressourcen fast komplett auf Erdölimporte verzichten. Die Bereitstellung der dafür nötigen Infrastruktur würde in etwa soviel kosten wie die sehnsüchtig erwarteten (und überaus sinnfreien) Eurofighter für die „Luftwaffe“ des Bundesheeres.

Fakt ist, dass eine europaweite, stufenweise Umstellung auf regenerative Kraftstoffe, mit Unterstützung der EU innerhalb von 10 Jahren möglich wäre, wenn alle EU-Staaten an einem Strang ziehen und der Welt zeigen, dass die Erdölexportierenden Staaten längst ihre Macht verloren haben.

Autor: Anja Kolwicz


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