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Die Eigenschaften des menschlichen Blutes

27.09.2007, 16:19:53 - [Medizin] - Lukas Brausch
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Der österreichische Arzt » Karl Landsteiner war der Erste, der das Verhalten verschiedener Blutproben untereinander näher untersuchte und dabei feststellen konnte, dass einige Proben untereinander verträglich, andere hingegen jedoch nicht sind.
1901 zog er aus seinen Experimenten den Schluss, dass es verschiedene Blutgruppen geben müsse und taufte diese nach seinen Beobachtungen A, B und 0. Später kam nach weiteren Beobachtungen noch die Blutgruppe AB hinzu. Bis heute bildet dieses System das sogenannte AB0-System und wird international zur korrekten Nomenklatur genutzt.

Die Ausbildung der drei verschiedenen Blutgruppenantigene A, B und H ist von den » Allelen A,B und 0 abhängig, die allesamt auf dem » Chromosom 9 liegen und somit ein gelungenes Beispiel für » multiple Allelie darstellen. Da die, an Lipiden oder Proteine gebundenen Kohlenhydratketten Eigenschaften von Antigenen aufweisen, werden Blutzellen im Plasma einer nicht übereinstimmenden Blutgruppe vom » Immunsystem des Körpers als Fremdkörper erkannt. Die Antikörper des Immunsystems lassen die Blutzellen deshalb verklumpen ( = agglutinieren) und bauen sie durch körpereigene Fresszellen ab.
Das H-Antigen kann von allen Menschen enzymatisch synthetisiert werden und bildet die Vorstufe für das A-Antigen und das B-Antigen. Nur wenn das Allel der Blutgruppe 0 vorhanden ist bleibt das H-Antigen unverändert. Wenn das Allel der Blutgruppe B und das Allel der Blutgruppe B zugleich aktiviert sind (also eine sogenannte Kodominanz vorliegt), so werden sowohl A, als auch B-Antigene gebildet.
Untersucht man das vorgestellte AB0-System ein wenig genau so fällt auf, dass von den Allelen A und B mehrere Variationen existieren, die als A1, A2, A3, B1 und B2 bezeichnet werden. Rein faktisch sind demnach sechs Blutgruppen möglich, da sich A1 gegenüber A2 dominant verhält.

Eine weitere wichtige Eigenschaft der verschiedenen Blutgruppen ist der sogenannte Rhesusfaktor, welcher ebenfalls von Landsteiner im Jahre 1940 entdeckt wurde. Dieser Faktor, der bei etwa 85 % der europäischen Bevölkerung vorhanden ist, sorgt dafür, dass auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen das Antigen D zu finden ist. Die geringe Verbreitung des negativen Rhesusfaktors rührt daher, dass der positive Faktor dominant vererbt wird und folglich nur die Kombination aus zwei rezessiven Allelen einen negativen Faktor hervorbringt.
Menschen mit negativem Rhesusfaktor bilden keine Antikörper gegen das Antigen D. Wenn jedoch Rh-positives auf Rh-negatives Blut trifft, hat das eine Induktion dieser Antikörper zufolge, was jedoch nicht nur bei Bluttransfusionen, sondern besonders auch bei Schwangerschaften schwerwiegende Folgen haben kann.
Wenn nämlich die Mutter Rh-negativ und das Kind durch Vererbung Rh-positiv ist, so kann es durch Vermischung des Blutes von Kind und Mutter bei der Geburt eines zweiten Kindes zu Komplikationen kommen.
Da Rh-negatives Blut beim Kontakt mit Rh-positivem Blut beginnt Antikörper gegen Letzteres zu bilden, so tritt bei einer zweiten Schwangerschaft (wenn das Kind erneut Rh-positiv ist) Blut von der Mutter zum Kind über. Da das Blut der Mutter nun jedoch bereits Antikörper gebildet hat, werden die Blutzellen des Kindes bekämpft und letztlich auch vernichtet. Deswegen kommt es nicht selten vor, dass bei solchen Fällen kurz nach der Geburt ein totaler Blutaustausch notwendig ist, um das Leben des Kindes zu retten.

Eine prophylaktische Möglichkeit das zweitgeborene Kind davor zu schützen ist es während der Schwangerschaft zwischen der 28. und 30. Schwangerschaftswoche und in den ersten 72 Stunden nach der ersten Geburt Antikörper der Mutter zu injezieren. Dies mag zunächst paradox anmuten, da das Kind ja gerade vor diesen Antikörpern geschützt werden sollte. Bei näherer betrachten dienen die injezierten Antikörper jedoch dazu die Rh-postiven Blutzellen des Kindes „abzufangen“ bevor die Immunabwehr der Mutter reagieren kann.

Autor: Lukas Brausch
Quellen: Grüne Reihe 2; Genetik



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